Wie sieht Feldenkrais praktisch aus?

Unser Alltag besteht aus unzähligen Bewegungen. Wir drehen uns, bücken uns, sitzen am Schreibtisch, joggen, heben etwas auf usw. Zuweilen beeinträchtigen Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen unsere alltäglichen Bewegungen, insbesondere bei einseitigen Tätigkeiten im Beruf: die Knie sind schwerer beweglich, die Schultern verspannen sich bei längerem Arbeiten am Computer etc.

Moshe Feldenkrais, der Begründer der Methode, entwickelte Bewegungslektionen, die darauf abzielen, das gesamte Repertoire der Alltagsbewegungen leichter und effizienter zu machen. Gelenkigkeit, fließende Bewegungen und bessere Koordination sind dabei wichtige Ziele. Bewusste Wahrnehmung, Lenkung der Aufmerksamkeit und die Orientierung an der Leichtigkeit von Bewegung sind die Schlüssel für eine verbesserte Selbstorganisation.

Neben der Entwicklung von leichten und gelenkigen Bewegungen lernen die Teilnehmer viel über ihren Körper und wie die einzelnen Teile des Körpers sinnvoll zusammenarbeiten, um Bewegung müheloser werden zu lassen. Angenehmer Nebeneffekt der verbesserten Beweglichkeit ist die Erfahrung von mehr Zufriedenheit, innerer Ruhe und Gelassenheit im Alltag. Stress wird durch die Feldenkrais-Methode abgebaut, klares Denken und Präsenz werden gefördert.

Die Feldenkrais-Methode wird als Gruppen- oder Einzelunterricht vermittelt:

Der Gruppenunterricht: „Bewusstheit durch Bewegung“

Unter verbaler Anleitung beschäftigen Sie sich in einer Gruppe mit ihren alltäglichen Bewegungen. Jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens Bewegungsgewohnheiten entwickelt. Manche davon sind nützlich, andere eher hinderlich für eine freie Beweglichkeit. In dem Feldenkrais-Unterricht spüren Sie Ihren individuellen Bewegungsgewohnheiten nach und variieren diese im Laufe der Stunde auf spielerische Weise. Ihr Nervensystem wird so aufgefordert, Lösungen für freiere Bewegungen zu finden. Im Laufe der Zeit entwickelt sich spürbar mehr Leichtigkeit in Ihrem Alltag.

Der Einzelunterricht: „Funktionale Integration“

Der Einzelunterricht ist ganz auf die individuellen Bedürfnisse und Fragen des Lernenden abgestimmt. Feldenkrais-Lehrer sind darin geschult, feinste Unterschiede in den Bewegungsgewohnheiten des Schülers mit ihren Händen wahrzunehmen. Durch passives Bewegtwerden entsteht ein respektvoller Dialog. Das Resultat sind oft eindrucksvolle Veränderungen in den Haltungs- und Bewegungsmustern des Lernenden. Gemeinsam entwickeln Lernender und Lehrender Lösungen und Strategien für leichtere und effizientere Bewegungs- und Verhaltensweisen.

Zwei Beispiele

Herr Münscher möchte gerne einen Salsa - Kurs mit seiner Frau belegen. Beim Tanzen bekommt er nach einer Weile Verspannungen in den Schultern, die ihm die Freude am Tanzen schmälern. Eine Feldenkrais-Stunde hilft ihm, zu erkennen, dass er unmerklich beim Heben der Arme die Schultern hochzieht und er lernt, die Schultern beim Heben der Arme hängen zu lasen. Außerdem entdeckt er, wie er seinen Rücken müheloser aufrichten kann, so dass die Arme sich wesentlich einfacher heben lassen.

Frau Maier hat einen Bandscheibenvorfall in der unteren Lendenwirbelsäule. Seither fällt ihr das Bücken zunehmend schwerer. In einer oder mehreren Feldenkrais-Stunden findet Frau Maier heraus, wie sie sich leichter bücken kann und was sie bisher nicht beachtet hat. Sie lernt etwa, ihre Hüftgelenke und Knie besser einzusetzen, um den unteren Rücken zu entlasten. Durch eine verbesserte Koordination in ihren Bewegungen werden ihre Schmerzen zunehmend geringer, ihre Bewegungen wieder einfacher und müheloser.